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Merkblatt + Musterprotokoll

Pflegegrad für Dein Kind mit Typ 1 Diabetes

MD-kompatibel · Praxisnah · Kostenlos – damit der unsichtbare Alltags-Aufwand sichtbar wird

📋 6 Module erklärt 🗓️ Inkl. Musterprotokoll ⚠️ Keine Rechtsberatung
1
Wie der MD denkt
2
Goldene Regel
3
6 Module
4
Vorbereitung
5
Vorlaufzeit
6
Protokoll
7
Ablehnung
⚠️
Diese Orientierungshilfe ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Sie gibt Dir eine praxisnahe Grundlage für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD).
Teil 1 — Merkblatt

Der MD vergibt einen Pflegegrad nicht für die Diagnose, sondern dafür, wie viel Hilfe Dein Kind im Alltag wirklich braucht. Bei Typ 1 Diabetes ist viel Aufwand unsichtbar: Entscheidungen, Kontrolle, Alarmbereitschaft – besonders nachts.

Dein Ziel: Den unsichtbaren Alltags-Aufwand sichtbar machen – mit Uhrzeit, Dauer, Anlass, Handlung und dem Grund, warum Dein Kind das (noch) nicht selbstständig kann.

Was Du notierst Beispiel
Uhrzeit + Dauer 06:45 Uhr · 8 Minuten
Anlass Mahlzeit, CGM-Alarm, Sport, Krankheit, Technik
Was Du getan hast Messen, interpretieren, entscheiden, behandeln, nachkontrollieren
Warum nötig Alter, Risiko, fehlende Wahrnehmung, Abwehr, Nicht-Reaktion
Technik zählt Alarme prüfen, Trends interpretieren, reagieren – tags und nachts

Wichtig: CGM und AID reduzieren nicht automatisch Deinen Pflegeaufwand. Sie schaffen Überwachung, Interpretation und Alarmreaktionen – das ist aktive Pflege und muss dokumentiert werden.

1
Mobilität – Bewegung ist Therapiearbeit
  • Sport / Spielplatz: zusätzliche Messungen und Alarmreaktionen (mit Minuten notieren)
  • Anpassungen: Snack, Insulin, temporäre Einstellungen und Nachkontrollen
  • Abbruch oder Unterbrechung von Aktivitäten wegen Hypo oder Alarm
2
Kognitive & kommunikative Fähigkeiten
  • Situationen notieren, in denen Dein Kind Symptome nicht erkennt oder nicht mitteilt
  • Du musst Trends und Alarme interpretieren und Entscheidungen treffen
  • Nacht: Überwachungspflicht – Wecken, prüfen, behandeln
3
Verhaltensweisen & psychische Problemlagen
  • Angst vor Spritzen / Sensor / Katheter: Abwehr, Weglaufen, Festhalten – extra Zeitbedarf notieren
  • Nicht-Reagieren auf Alarme (auch bei Teenagern) → Du musst nachfassen
  • Schlafstörungen durch Alarme, dauernde Alarmbereitschaft
  • Therapie-Vermeidung / Verhandeln: Dauer und Risiko dokumentieren
4
Selbstversorgung – Essen wird oft unterschätzt
  • Vor jeder Mahlzeit: KH schätzen / abwiegen, Bolus berechnen / geben, Nachkontrolle planen
  • Wenn Dein Kind nicht (zu Ende) isst: Nachsteuern, Hypo vermeiden – extra Aufwand
  • Auswärts / bei Freunden: extra Abstimmung, Sicherungsmaßnahmen, Rückfragen
5
Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen
  • Uhrzeit und Dauer jeder Messung, Korrektur, Alarmreaktion notieren
  • Sensor- / Katheter- / Reservoirwechsel, Pflaster / Overpatch, Fehlerbehebung (mit Minuten)
  • Krankheitstage: Ketone, zusätzliche Kontrollen und Korrekturen, Mehraufwand
6
Alltagsgestaltung & soziale Kontakte
  • Kita / Schule: Einweisung, Notfallplan, Telefonate, Erreichbarkeit, Material packen
  • Besuch bei Freunden / Familie: Übergaben, Rückfragen, ggf. Abbruch wegen Alarm
  • Ausflüge / Übernachtungen: Vorbereitung, Begleitung oder ständige Rufbereitschaft
📅Tagebuch mindestens 4 Wochen führen – inklusive Nächte und Krankheitstage
📊Ausdrucke / Exports aus Deinem CGM-System der letzten 3 Monate mitbringen
💬Den echten Alltag schildern – inklusive schwieriger Situationen, nicht den guten Tag
🔔Klar sagen: Technik reduziert nicht automatisch Pflege – sie schafft Überwachung, Interpretation und Alarmreaktionen
👥Eine vertraute Person sollte beim Termin dabei sein und ergänzende Angaben machen können

Das Protokoll ist kein Dokument für den Termin selbst – es ist die Grundlage, die Du Wochen vorher aufbaust. Der MD sieht beim Besuch einen einzigen Moment. Deine Aufzeichnungen zeigen ihm den echten Alltag.

⏱ Empfohlener Vorlauf-Plan
4W

4 Wochen vor dem Termin – Protokoll starten

Sofort beginnen. 4 Wochen geben Dir Einträge aus verschiedenen Alltagssituationen: Schulwochen, Wochenenden, Sporttage, Krankheitstage, Technik-Ausfälle – alles, was den Aufwand variiert.

2W

2 Wochen vor dem Termin – Unterlagen zusammenstellen

CGM-Exporte der letzten 3 Monate ausdrucken. Ärztliche Berichte, Rezepte, Einweisungen für Schule / Kita zusammensuchen.

1W

1 Woche vor dem Termin – Protokoll durchgehen

Lücken ergänzen. Besonders schwierige Nächte oder Krankheitstage hervorheben. Den Merksatz einüben.

📋

Am Termin – Echtes zeigen, nicht das Beste

Schildere den typischen Alltag, nicht den ruhigen Tag. Verweise bei Rückfragen konkret auf Deine Einträge.

💡
Das Absolutminimum laut MD-Richtlinien sind 2 Wochen. Für T1D-Familien empfehlen wir jedoch 4 Wochen – weil der Aufwand stark von Schultag, Wochenende, Sport und Krankheit abhängt. Nur 4 Wochen bilden diese Schwankungen realistisch ab.
Teil 2 — Musterprotokoll mit Beispielen
Uhrzeit Anlass Pflegehandlung (konkret) Min. Warum notwendig?
06:45 Aufstehen CGM prüfen, Nacht-Trend bewerten, Nüchternwert einschätzen, Frühstück vorplanen (Kohlenhydrate, Basalrate prüfen) 12 Kind kann Trend / Risiko nicht einschätzen; Entscheidung liegt komplett bei mir
07:10 Frühstück KH abwiegen / schätzen, Bolus berechnen, Insulin geben, Startwert + aktives Insulin prüfen, Nachkontrolle nach 60 Min. einplanen 18 Insulin- / KH-Management nicht selbständig möglich; Rechenfehler wäre Hypo-Risiko
10:25 CGM-Alarm tief Alarm prüfen + Kind aufsuchen, Bewusstsein checken, schnelle KH geben, nach 15 Min. Verlauf prüfen, ggf. erneut behandeln, Schule / Kita informieren 30 Schwere Hypoglykämie = Selbstgefährdung; Kind reagiert bei tiefen Werten nicht zuverlässig
12:05 Kita / Schule Telefonat wegen Mittagessen-KH + Sport-Ankündigung, Insulinmenge abstimmen, Erreichbarkeit sicherstellen, Material-Check (Ersatz-Katheter, Notfall-KH) 15 Ohne aktive Koordination entsteht Versorgungslücke; Kind kann das nicht selbst kommunizieren
15:40 Sport / Bewegung nach Schule Vorab-BZ messen, Insulin reduzieren / Basalrate anpassen, Snack geben, während Sport alle 20 Min. kontrollieren, Nachsteuerung bis 22:00 Uhr 25 Sport senkt BZ auch noch 6–8 Std. danach; Nachlässigkeit = nächtliche Hypo-Gefahr
19:10 Sensor- / Katheterwechsel Set vorbereiten, Kind beruhigen / ablenken, Katheter setzen (inkl. Festhalten bei Abwehr), Sensor kalibrieren, Overpatch aufkleben, System-Check, Aufwärm-Phase überwachen 40 Kind verweigert / weint / läuft weg; Technik muss sitzen, sonst Versorgungslücke in der Nacht
Uhrzeit Auslöser Handlung Min. Ergebnis / Nachkontrolle
02:14 Alarm tief (< 60 mg/dl) Aufstehen, Kind wecken / Reaktion prüfen, schnelle KH geben, bei 15 Min. nachkontrollieren, ggf. erneut behandeln, wach bleiben bis Wert stabil über 80 mg/dl 40 Schwere Nacht-Hypo = Lebensgefahr; Kind schläft durch – ich muss eigenständig handeln
03:50 Folgekontrolle nach Hypo BZ nochmals prüfen, Trend beobachten, Rebound-Hyper einschätzen, entscheiden ob Korrektur nötig 10 Nach Hypo-Behandlung oft Rebound; Fehler hier = nächste Nacht-Episode
04:48 Signalverlust CGM System prüfen, Verbindung neu aufbauen, ggf. manuell messen (Fingerstechen), Gerät neu starten 15 Ohne Signal keine Alarmierung – blinde Phase ist inakzeptables Risiko
05:30 Alarm hoch (> 250 mg/dl) Ursache prüfen (Katheter ok? Vergessen Bolus?), Korrekturentscheidung treffen, Ketoncheck erwägen, Verlauf bis 07:00 Uhr beobachten 18 Anhaltende Hyperglykämie = Ketoazidose-Risiko; Kind schläft, ich entscheide allein

„Ohne meine tägliche und nächtliche Steuerung entsteht eine Sicherheitslücke."

Diesen Satz kannst Du beim Begutachtungsgespräch genau so sagen.
📝
Wichtiger Hinweis zu den Zeitangaben: Die Beispiele zeigen realistische Durchschnittswerte. Notiere immer Deine eigene echte Zeit – nicht die Beispielzeit. Wenn ein Sensor-Wechsel bei Deinem Kind 55 Minuten dauert, weil es sich stark wehrt: schreibe 55 Minuten. Das ist ehrlich und korrekt.

⚠️ Eine Ablehnung ist nicht das Ende

Du kannst innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen und mit guter Dokumentation nachlegen. Hole Dir Unterstützung beim Sozialverband VdK oder der Beratungsstelle Deiner Krankenkasse – die Erstberatung ist kostenlos. Dein Pflegetagebuch ist dabei das wichtigste Beweismittel.

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Das Blanko-Protokoll – zum Ausdrucken & Ausfüllen

Das Protokoll gibt es als druckfertiges A4-PDF direkt in Dein Postfach – damit Du dich bestens auf den Begutachtungstermin vorbereiten kannst oder es einfach griffbereit hast.

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Dieses Merkblatt ist eine Orientierungshilfe von DiaElements – von Eltern für Eltern. Es ersetzt keine rechtliche oder medizinische Beratung. Medizinische Fragen gehören immer zu Eurem Diabetesteam.